Du bist keine Ausnahme!

Schaust du dich um, findest du eine unglaubliche Zahl von  “Ausnahmen”. Sie haben “viel komplexere Probleme” als andere Leute.

Ihre Situation ist “einzigartig” und bedarf – ihrer Meinung nach – “besonderer Lösungen”. Sie behaupten: Die oft genutzten Vorgehensweisen funktionieren nicht.

“Alles schon ausprobiert.”

Aber selten haben sie eine intelligente Methode wirklich durchgezogen. Oder ihre Vorgehensweise und Resultate objektiv festgehalten.

Häufige Fälle:

  • Übergewichtige essen kaum etwas, aber nehmen nicht ab. Ein Kaloriendefizit funktioniert ganz klar nicht!
  • Untergewichtige essen schon extrem viel, aber nehmen nicht zu. Ein Kalorienüberschuss scheint nicht zu funktionieren.
  • Trainierende haben ganz spezielle Muskeln. Oder einen besonders speziellen Körper. Normale Trainingsmethoden funktionieren da nicht.

Die betroffenen Personen sind sich sicher eine Ausnahme zu sein. Eine ganz große Ausnahme.

Die Erklärung – Warum?

Woran liegt das? Wie so oft sind es mehrere Faktoren, die zu diesem Phänomen führen.

Messfehler:

Wir sind unglaublich schlecht im Schätzen:. Hast du schon einmal deine Nahrungsaufnahme geschätzt? Und dann präzise festgehalten wieviel das wirklich war? Du wirst überrascht sein!

Diese Leute verlassen sich besonders stark auf ihr Gefühl. Und merken nicht dass ihre innere Wahrnehmung massiv von der messbaren Realität abweicht. Sogar Profis (Diätassistenten) verschätzen sich sehr stark.1

Ausrede:

Veränderung ist hart. Manchmal muss man abwarten, manchmal die Vorgehensweise verändern. Viel einfacher ist es aufzugeben und zu rationalisieren.

“Ich mache schon alles, aber es tut sich einfach nichts”. Ist eine Form von Widerstand gegenüber Gewohnheitsveränderung. Hier wird die Schuld weit von sich geschoben. Und das ganze wird auch noch sehr gerne mit Unwissen kombiniert. (“Ich esse ja schon abends keine Kohlenhydrate mehr.”)

Ego:

Sie denken: “Ich bin ganz besonders!”. Das was für andere funktioniert hat kann ja nichts für sie sein. Das wären ja nur “durchschnittliche Resultate”. Sie wollen von Anfang ihrerer Trainingskarriere mehr erreichen. Dafür brauchen sie “Spezialmethoden”. Die damit erzielten Resultate sind allerdings oft stark unterdurchschnittlich

Gibt es auch echte Ausnahmen?

Es gibt durchaus spezielle Fälle, die komplett aus dem Rahmen fallen. Bspw. der rauchende, fast nur Süssigkeiten essende Dekathlet, der trotz seines bekloppten Trainings wie ein griechischer Gott aussieht.

Oder den Trainierenden, der trotz bestem Trainingsprogramm, klasse Ernährung und riesiger Motivation, nur unter dem Durchschnitt bleibt.

Das sind statistische Ausreisser.

Normalverteilung
Die Normalverteilung – du liegst sehr wahrscheinlich irgendwo in der Mitte

Aber die meisten Leute (und damit auch du) sind in der Mitte zu finden.

Die Lösung

Wenn wir unsere Leser darin bestätigen würden, dass sie Spezialfälle wären hätten wir sicher ein wesentlich mehr Leser. Leser, die mehr Interesse an Selbstbetrug haben, als an handfesten Resultaten.

“Dein Problem ist überhaupt nicht dein Fehler”, “es liegt alles an X (Insulin, Cortisol, Toxinen)” oder “alles ist komplett individuell” sind Dauerbrenner für (esoterische) Diätbuchautoren und Fitness Gurus.

Kurzfristig haben viele aber oft Erfolg mit den Konzepten. Einfach weil z.B. weniger gegessen wird, sobald man stark einschränkende Regeln befolgt. Aber langfristig versagen viele Methoden oder sind nicht einzuhalten. Weil sie das Problem nicht wirklich an der Wurzel anpacken.

Methoden gibt es immer viele. Grundlegende Prinzipien nur wenige. Hältst du dich dich an die Prinzipien von Fettabnahme und Muskelaufbau? Dann wirst du deine Ziele auch erreichen.

Wenn du der Illusion erlegen bist die Ausnahme zu sein, schau ob du nicht ein Opfer deines Egos bist. Die objektiven Daten mit der eigenen Vorstellung zu vergleichen ist oft schmerzhaft.

Wie in vielen anderen Lebensbereichen ist Ehrlichkeit mit dir selbst der erste Schritt. Du wirst mit echter Veränderungen belohnt. Weniges fühlt sich besser an. Die Alternative des ständigen Selbstbetrugs führt nur zur dauerhaften Stagnation.

Jetzt hast du die Wahl: Willst du besser werden oder lieber träumen?

Empfehlenswerte Artikel


  1. Champagne CM, Bray GA, Kurtz AA, Monteiro JB, Tucker E, Volaufova J, Delany JP. Energy intake and energy expenditure: a controlled study comparing dietitians and non-dietitians. J Am Diet Assoc. 2002 Oct;102(10):1428-32. PubMed PMID: 12396160. Link

Zielsetzung – So setzt du dir Ziele die du auch erreichst

Ziele setzten scheint sehr einfach zu sein: “Ich will schlank sein.” “Ich will stark sein”. “Ich will gut aussehen.”

Aber warum handelt man dann nicht? Oder nur zögerlich? Oder kann nie stolz sagen, dass man sein Ziel auch wirklich erreicht hätte?

Einer der wichtigsten Gründe: Die Zielsetzung ist oft zu vage. Um deine Ziele mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu erreichen, solltest du ein paar Grundlagen befolgen.

Wie setzt du dir erfolgreiche Ziele?

  • Erfolgreiche Ziele sind anspruchsvoll. Wenn du dein Ziel als Herausforderung siehst wirst du mehr Kraft aufwenden können. Siehst du es aber als Bedrohung an (Fokus auf der Möglichkeit zu versagen) wird es dich eher behindern. In diesem Fall solltest du deine Anforderungen eher zurückschrauben. Gerade als Anfänger fällt es einem oft schwer sich realistische UND fordernde Ziele zu setzen.Achtung!: Du überschätzt sehr wahrscheinlich stark was du kurzfristig (paar Wochen und Monate) erreichen kannst. Unterschätzt aber auch stark was langfristig möglich ist (1+ Jahr).
  • Erfolgreiche Ziele sind konkret & messbar (z.b. 2,5-faches Körpergewicht Kreuzheben oder 5 kg Fett verlieren)
  • Erfolgreiche Ziele sind mit einem festen Zeitrahmen verbunden (z.B. in genau 3 Monaten oder zum 19.04. diesen Jahres)
  • Erfolgreiche Ziele haben geringe Komplexität. Lieber konzentrierst du dich auf weniger und simplere Ziele. 1-3 Ziele sollten gerade zu Beginn mehr als genug sein. Konzentriere dich auf die dir persönlich wichtigsten Ziele. Alles weiter kann dann immer noch kommen.
  • Erfolgreiche Ziele sind von DIR gewollt. Und nicht nur von jemand anderem. Frage dich: Wie wichtig ist dir der Erfolg? Für wie wahrscheinlich hälst du deinen Erfolg? (Selbstwirksamkeit)

Solltest du anderen Leuten von deinen Zielen erzählen?

Seine Ziele “öffentlich“ zu machen, soll sozialen Druck aufbauen sich auch an seinen Plan zu halten.

Untersuchungen zu diesem Thema zeigen aber noch ein unklares Bild. Erfahrungsgemäß hängt es stark von deiner Persönlichkeit ab. Frage dich selber, ob du in der Vergangenheit lieber von deinen Zielen erzählt hast, anstatt an ihrer Erfüllung zu arbeiten. Oder konntest du dich durch dieses Vorgehen eher anspornen?